Tom Krieger im Interview
Auf der Photoshop Convention 2009 wird Tom Krieger nun zum ersten Mal als Sprecher mit von der Partie sein. Im Vorfeld stand er mir für ein paar Fragen zur Verfügung und gibt uns einen kleinen Einblick in seine Arbeit und seinen beruflichen Hintergrund. Viel Spass dabei!
Armin Böttigheimer: Hallo Tom. Bald ist es ja wieder so weit - die Photoshop Convention findet in diesem Jahr zum dritten Mal statt. Für Dich ja eine Premiere, da Du in diesem Jahr ebenfalls als Sprecher zu sehen sein wirst. Die DVD des letzten Jahres hat Dir ja schon einen kleinen Einblick in die Veranstaltung gegeben. Was erwartest Du Dir von der diesjährigen Photoshop Convention, welche Vorträge bzw. welche Sprecher interessieren Dich am meisten und wie steht es mit dem Lampenfieber?
Tom Krieger: Von der Convention erwarte ich auf jeden Fall eine tolle und wirklich einzigartige Atmosphäre. So viel geballtes Wissen aus so vielen unterschiedlichen Einsatzbereichen von sehr unterschiedlichen Individuen auf einem Haufen, das ist schon eine spannende Geschichte. Am Wichtigsten für mich ist die Tatsache, auch einmal die Menschen hinter den Bildern und Tutorials live zu erleben und kennen zu lernen. Ich denke auch, daß es in jedem einzelnen Vortrag etwas spannendes zu entdecken gibt. Ich persönlich habe keinen Favoriten, werde aber bestimmt hier und da gerne reinschauen und die Vorgehensweisen der Kollegen zu bestaunen und sicherlich auch dazulernen. Mein Interesse liegt mehr darin, meine eigenen Vortragsthemen vor allem interessant und transparent zu gestalten und meine Begeisterung für Fotoillustrationen und Mattepaintings auf die Besucher zu übertragen.
Armin Böttigheimer: Du bist ja nun im Bereich der digitalen Bildbearbeitung und Illustration kein Neuling mehr. Der Name Tom Krieger ist aber vielleicht noch nicht allen Besuchern der PhoCon ein Begriff. Gib uns doch einen kleinen Einblick in Deinen persönlichen Hintergrund und wie Du zu Photoshop und Co gekommen bist. Als gelernter Glaskunstschleifer liegt das ja nicht unbedingt auf der Hand...
Tom Krieger: Das stimmt und wer hätte damals gedacht....(Nostalgie). Als erklärter »Spätzünder« in Sachen Malen und Zeichnen kam ich erst richtig in meiner Ausbildung dazu. Wir hatten damals 5 unterschiedliche Zeichenfächer, ich erinnere mich noch an Werkzeichnen, Freihandzeichnen, technisches Zeichnen, Naturzeichnen,... und das war mein Einstieg. Die Begeisterung blieb erhalten, mich in allen zeichnerischen und malerischen Techniken weiter zu bilden. Ich wollte einfach herausfinden, wie bestimmte Dinge mit der möglichst passenden Technik umzusetzen sind. Somit kam ich auch zur Airbrush Pistole. Fasziniert von einigen damaligen Künstlern und deren Techniken wusste ich, dass genau das mein vorbestimmter Weg sein sollte. Ich wollte Illustrator werden. Mit jedem einzelnen Bild, das ich als Student des Grafik Designs, nächtlich neben weiteren Jobs fertigstellte, kam ich einen weiteren Schritt vorwärts. Mit meinem alten Kombi, einem vollem Portfolio, 'ner Menge Selbstvertrauen und Optimismus kam ich dann in die Medienstadt Hamburg und sprang ins »kalte Wasser«, um von dort aus zu arbeiten. Nach 10 Jahren der klassischen fotorealistischen Malerei mit Airbrush, Pinsel und weiteren Techniken, kam ich immer mehr mit Photoshop (damals Version 5) in Berührung und irgendwie war es wieder wie damals...
Armin Böttigheimer: Du bezeichnest Dich selbst als Fotoillustrator. Darunter kann sich nicht jeder gleich etwas konkretes vorstellen. Wie würdest Du selbst Deine Kunst beschreiben, wie kamst Du speziell zu dieser Stilrichtung und was willst Du den Besuchern in Deinen Vorträgen vermitteln?
Tom Krieger: Jemand sagte mal: »...er kann malen wie fotografiert und verzaubert Fotos, als seien sie gemalt...«. Schön gesagt und ich denke, das trifft es. Da meine Basis die eines Illustrators ist und ich früher schon immer Referenzmaterial fotografiert habe, kam mir vor einigen Jahren der Begriff 'Fotoillustrator' in den Sinn. Die Tätigkeit hat sich ein wenig geändert in der heutigen digitalen Zeit und somit habe ich heute auch wesentlich mehr mit der Fotografie zu tun als früher. Es ist die bezaubernde Mischung aus Foto und Illustration, die so vielfältig ist, ja fast schon grenzenlos. Dadurch eröffnen sich immer wieder neue Möglichkeiten der Umsetzung eigener Bildideen und es ergeben sich zwangsläufig auch neue Stile, die in der Werbung immer gerne gesehen werden.
Armin Böttigheimer: Deine Arbeiten verdienen mit Recht das Etikett »fotorealistisch«. Um solche Ergebnisse zu erzielen bedarf es einiger Übung. Ist es richtig, dass Du Dir alle notwendigen malerischen Techniken selbst beigebracht hast? Welche Tipps kannst Du Beginnern in diesem Bereich geben, die sich ebenfalls für diesen autodidaktischen Weg entschieden haben? Gibt es Dinge, die Du rückblickend anders machen würdest?
Tom Krieger: Wie schon gesagt war mein Weg der des »learning by doing«. Und dieser Weg ist manchmal sehr steinig. Wenn dieser Weg gegangen werden muß, dann sollte man wissen, daß es nicht immer bergauf geht, manchmal weite Täler kommen und der Berg, auf den man möchte, nicht näher zu rücken scheint. Den Blick nach vorne und oben jedoch sollte man nie aus den Augen verlieren... Auch die Wege ändern sich in der jeweiligen Zeit. Mein Anfang liegt mittlerweile schon 20 Jahre zurück und heute hat man als junger Mensch völlig neue Möglichkeiten, seine Ideen zu verwirklichen. Man sollte die eigene Messlatte immer sehr hoch legen und sich ständig in seinem Medium umsehen, was um einen herum passiert.
Armin Böttigheimer: Wenn ich richtig gelesen habe, hat bei Dir ja mittlerweile auch die digitale Fotografie Einzug gehalten. Neben einem hohen Mass an Kreativität ist eben auch eine technische Grundausstattung notwendig, um Deine Fotoillustrationen zu realisieren. Welche Hardware kommt bei Dir heute zum Einsatz und wie hast Du ursprünglich einmal angefangen?
Tom Krieger: Das ist richtig. Früher brauchte ich als Illustrator auch Vorlagenfotos, um gewisse Dinge wie Licht, Oberflächen, Proportionen usw. zu verstehen und zu übertragen. Da habe ich dann analog mit Diafilmen fotografiert. Danach mußte ich schnell in die Stadt fahren, um die Filme entwickeln zu lassen. Die schnellste Möglichkeit dauerte 2 Stunden. Vor Ort im Fotolabor habe ich dann eine Vorauswahl getroffen und einige Handabzüge entwickeln lassen, was wiederum einige Stunden dauerte. Nachdem ich dann zu Hause war, konnte ich endlich mit der eigentlichen Arbeit beginnen, nämlich dem weißen Karton. Als die ersten Digicams mit 3 Megapixeln herauskamen, war das ein Segen für mich. Heute fotografiere ich mit einer Nikon D300, diversen Objektiven, habe eine kleine Blitzanlange von Bowens, bestehend aus 3 x 750WS, diverse Lichtformer und Reflektoren. Im Grunde entdecke ich das Fotografieren wieder neu für mich und das fühlt sich sehr gut an. Meine tägliche Arbeit verrichte ich am Mac und Macbook Pro. Die Rechner werden alle 3 Jahre erneuert, um den technischen Anforderungen auch gerecht zu bleiben. Nicht selten sprengen einige Jobs die 2-3 GB Grenze.
Armin Böttigheimer: Einer guten Arbeit liegt ja meist eine Idee zu Grunde. Die Angst vor dem leeren Blatt Papier ist Dir aber bestimmt auch ein Begriff. Wie sieht das bei Dir aus, wie gestaltet sich bei Dir der Prozess der Ideenfindung bzw. wie holst Du Dir die Inspiration für Deine Arbeiten?
Tom Krieger: In der Werbung ist die Idee fast immer vorgegeben, nämlich das Layout oder das Scribble in Kombination mit dem Briefing. Meine Ideen für freie Projekte schreibe ich immer auf oder lege eine Miniaturskizze an. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Ideen ich noch in der Zukunft 'ab-arbeiten' muß. Es wird ständig mehr und die Zeit dafür leider weniger. An Ideen mangelt es nicht, die kommen in Schüben und sind immer allgegenwärtig. Inspiration kommt auch von allen Seiten: beim Joggen in der Natur, beim Drachenfliegen (einer großen Leidenschaft, der ich auch seit 20 Jahren nachgehe), an den unmöglichsten Orten.
Armin Böttigheimer: Du betätigst Dich ja nun neben Deiner täglichen Arbeit auch als Fachautor und hast auch unter anderem schon diverse Videotrainings veröffentlicht. Hast Du vor, Dich in diesem Bereich noch mehr zu engagieren? Gibt es da schon konkrete Pläne oder lässt Du das einfach auf Dich zukommen?
Tom Krieger: Das stimmt. Schon früher, also noch zu Airbrush-Zeiten, habe ich gerne mein Wissen auf Messen oder in »step-by-step« Workshops weitergegeben. Ich mache kein Geheimnis um meine Techniken und helfe den Leuten da wo ich kann. Es ist doch schön eine Bestätigung für sein Schaffen zu bekommen und das Wissen zu teilen. Das spornt doch nur an weiter zu gehen und Neues zu entdecken. Ich stecke derzeit in verschiedenen tollen Projekten und es wird einiges auf mich/Euch zukommen....
Armin Böttigheimer: Danke Tom, für dieses interessante Interview! Ich freue mich schon sehr auf Deine Vorträge auf der Photoshop Convention und bin gespannt, mit welchen Projekten Du in Zukunft in Erscheinung trittst.
